Nach dem Sommer 2026 ist die Frage in vielen Haushalten angekommen. Wer im Dachgeschoss oder in einer Südwohnung sitzt, hat sich das Thema nicht ausgesucht. Die spannendere Frage ist aber nicht, ob gerade viele Leute darüber reden. Die Frage ist, ob sich der Gebäudebestand in Deutschland dauerhaft verändert oder ob wir es mit einem saisonalen Ausschlag zu tun haben, der im Oktober wieder verschwindet.
Wir haben uns die verfügbaren Zahlen angesehen. Das Ergebnis ist eindeutiger, als es die widersprüchlichen Schlagzeilen vermuten lassen. Es ist aber auch differenzierter.
Warum die Zahlen so weit auseinanderliegen
Wenn du zum Thema recherchierst, findest du Angaben zwischen 6 und 23 Prozent. Beides stimmt. Gemessen wird nur nicht dasselbe.
Das Umweltbundesamt schätzt konservativ, dass in rund 6 Prozent der deutschen Haushalte zumindest ein Teil der Wohnfläche aktiv gekühlt wird. Umfragen kommen auf deutlich höhere Werte. Eine repräsentative Erhebung im Auftrag von Verivox vom Juli 2026 nennt 23,4 Prozent der Haushalte mit Klimaanlage, weitere 24,9 Prozent planen eine Anschaffung.
Der Unterschied erklärt sich über den Gerätetyp. Von den Haushalten mit Klimaanlage nutzen laut derselben Erhebung rund 69 Prozent ein mobiles Monoblock-Gerät, nur etwa 31 Prozent ein fest installiertes System. Ein Monoblock aus dem Baumarkt ist eine Anschaffung, keine bauliche Veränderung am Gebäude. Er taucht in Umfragen auf, verändert die Gebäudestatistik aber nicht.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Haushalte mit teilweise gekühlter Wohnfläche | rund 6 Prozent | Umweltbundesamt, Schätzung |
| Haushalte mit Klimaanlage, alle Gerätetypen | 23,4 Prozent | Verivox-Umfrage, Juli 2026 |
| davon mobile Monoblock-Geräte | rund 69 Prozent | Verivox-Umfrage, Juli 2026 |
| Ausstattung im europäischen Schnitt | rund 20 Prozent | Internationale Energieagentur |
Der belastbarere Indikator: verkaufte Split-Geräte
Interessanter als Umfragewerte sind die Absatzzahlen fest installierter Anlagen. Der Fachverband Gebäude-Klima erhebt seit 2018 quartalsweise die verkauften Außeneinheiten von DX-Raumklimageräten mit Wärmepumpenfunktion, also Split-, Multisplit- und VRF-Geräte. Nach einem Rückgang bis 2023 steigen die Zahlen seit 2024 wieder. Für 2025 nennt der Verband rund 300.000 verkaufte Geräte. Der bisherige Höchststand von mehr als 330.000 Geräten stammt aus dem Pandemiejahr 2020. Eine dpa-Auswertung derselben Erhebung nennt für 2023 rund 260.000 Geräte.
Das ist ein klarer Aufwärtstrend, aber kein Bruch. Der Markt nähert sich einem Niveau, das er vor sechs Jahren schon einmal erreicht hatte. Von einer flächendeckenden Klimatisierung nach amerikanischem oder japanischem Muster, wo über 90 Prozent der Haushalte ein Gerät besitzen, ist Deutschland weit entfernt. Die Internationale Energieagentur beziffert den europäischen Ausstattungsgrad in ihrer Analyse Staying cool without overheating the energy system auf rund 20 Prozent.
Der Treiber: 2026 war kein Ausreißer nach oben
Der Deutsche Wetterdienst hat den Sommer 2026 als zweitwärmsten seit Beginn der flächendeckenden Aufzeichnungen 1881 eingestuft. Das Temperaturmittel lag bei 19,6 Grad, nur der Jahrhundertsommer 2003 war mit 19,7 Grad minimal wärmer.
Entscheidender als der Mittelwert ist die Häufigkeit. Im Deutschlandmittel wurden rund 22 heiße Tage ab 30 Grad und etwa fünf sehr heiße Tage ab 35 Grad gezählt. Der DWD bezeichnet diese Häufung als beispiellos.
Den bundesweiten Höchstwert und damit einen neuen Deutschlandrekord meldete der DWD für Möckern-Drewitz in Sachsen-Anhalt mit 41,8 Grad am 27. Juni.
Für unsere Region fällt die Bilanz noch deutlicher aus. In Baden-Württemberg wurden erstmals seit Messbeginn im Landesmittel rund 35 heiße Tage ermittelt, am Hoch- und Oberrhein örtlich mehr als 50. Dazu kamen landesweit im Mittel etwa zehn sehr heiße Tage. Der neue Landesrekord für Baden-Württemberg, nicht zu verwechseln mit dem bundesweiten Wert, wurde am selben Tag in Waghäusel-Kirrlach mit 41,4 Grad gemessen.
Genau das erklärt den Nachfragesprung. Daikin Germany meldete nach der Juni-Hitzewelle in einer Pressemitteilung einen Anstieg der Anfragen privater Haushalte von über 300 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das ist eine Herstellerangabe zum eigenen Anfrageaufkommen, kein Marktwert. Ein einzelner Sommer beweist noch keinen Trend. Die längerfristige Entwicklung stützt ihn allerdings: Europa erwärmt sich laut dem Bericht "European State of the Climate 2025" mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.
Was den Ausbau tatsächlich bremst
Die Nachfrage ist da. Sie trifft nur auf mehrere harte Engpässe.
Installationskapazität
Eine Split-Klimaanlage mit fluorierten Kältemitteln darf ausschließlich ein zertifizierter Fachbetrieb einbauen. Grundlage sind die EU-F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 und die Chemikalien-Klimaschutzverordnung. Genauer gesagt müssen Arbeiten am Kältekreis, die Dichtheitsprüfung und die Inbetriebnahme durch entsprechend zertifiziertes Personal erfolgen. Einzelne Vorarbeiten sind davon nicht zwingend erfasst, die Anlage selbst in Betrieb nehmen darfst du aber nicht. Die Kälte- und Klimafachbetriebe waren in der Saison 2026 weitgehend ausgebucht. Die VDKF-Konjunkturumfrage 2026 weist eine Auslastung von 93 Prozent und einen durchschnittlichen Auftragsbestand von 13 Wochen aus.
Rechtliche Hürden
Wer zur Miete wohnt, braucht für eine fest installierte Anlage die Zustimmung des Vermieters, weil Wandbohrung und Außengerät eine bauliche Veränderung darstellen. Für Wohnungseigentümer hat der Bundesgerichtshof am 17. Juli 2026 entschieden (V ZR 162/25), dass grundsätzlich ein Anspruch auf Gestattung eines Split-Geräts auf dem Balkon bestehen kann. Ein Beschluss der Gemeinschaft bleibt trotzdem erforderlich. Die Grenzwerte der TA Lärm sowie Nachbarrechte gelten unverändert weiter.
Der Kältemittel-Fahrplan
Die F-Gase-Verordnung schreibt einen stufenweisen Ausstieg vor. Ab 1. Januar 2029 dürfen Split-Luft-Luft-Systeme bis 12 kW mit Kältemitteln ab einem GWP von 150 grundsätzlich nicht mehr in Verkehr gebracht werden, ab 2035 gelten für diese Klasse noch schärfere Vorgaben. Für dich heißt das: Die Geräteauswahl verschiebt sich in den nächsten Jahren spürbar in Richtung Kältemittel wie R290. Bestandsanlagen sind davon zunächst nicht betroffen, bei der Wartung lohnt aber ein Blick auf das eingesetzte Kältemittel.
Der Gebäudebestand selbst
Fassade, Denkmalschutz, Statik und der Stellplatz für das Außengerät entscheiden im Einzelfall mehr als der Wunsch nach Kühlung.
Was der Betrieb kostet und wo Photovoltaik ins Spiel kommt
Hier liegt der größte Unterschied zwischen den Gerätetypen. Die Kennzahl heißt SEER und beschreibt das Verhältnis von Kühlleistung zu Stromverbrauch über die Saison.
Ein fest installiertes Split-Gerät erreicht typischerweise SEER-Werte um 7,5 bis 8,5. Ein mobiles Monoblock-Gerät liegt eher bei 3. Bei gleicher Kühlleistung zieht der Monoblock also grob das Zwei- bis Dreifache an Strom. Er saugt zusätzlich Raumluft an und bläst sie über den Schlauch nach außen, wodurch warme Außenluft nachströmt. Die Kostenunterschiede zwischen den Bauarten haben wir im Beitrag Lohnt sich eine Klimaanlage ausführlicher aufgeschlüsselt.
Zur Einordnung eine Modellrechnung, keine Festpreisangabe: Ein Split-Gerät mit 2,5 kW Kühlleistung und SEER 7,5 nimmt im Mittel rund 0,33 kW elektrisch auf. Bei sechs Betriebsstunden an 60 Sommertagen ergibt das etwa 120 kWh. Die Verbraucherzentrale nennt für ein Klimagerät je nach Typ 35 bis 140 Euro zusätzliche Stromkosten pro Jahr. Deine tatsächlichen Werte hängen von Raumgröße, Dämmstandard, Verschattung und Nutzungsverhalten ab.
Der Reiz der Kombination mit einer Photovoltaikanlage liegt in der zeitlichen Deckung. Der Kühlbedarf ist genau dann am höchsten, wenn die Anlage am meisten produziert. Der Eigenverbrauchsanteil steigt dadurch spürbar.
Die Ersparnis ehrlich gerechnet
An dieser Stelle wird häufig zu optimistisch gerechnet. Selbst genutzter Solarstrom ist nicht kostenlos. Jede Kilowattstunde, die du in die Klimaanlage steckst, speist du nicht ein. Dir entgeht also die Einspeisevergütung.
Für Anlagen bis 10 kWp mit Teileinspeisung liegt sie bei Inbetriebnahme zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Januar 2027 bei 7,70 ct/kWh. Die ehrliche Ersparnis ist deshalb nicht der volle Strompreis, sondern die Differenz zwischen Netzstrompreis und entgangener Vergütung. Bei einem Netzpreis um 35 ct/kWh sind das rund 27 ct je Kilowattstunde. Bei 120 kWh Kühlstrom im Jahr landest du damit im niedrigen zweistelligen Bereich pro Gerät und Saison. Bei mehreren Räumen und längeren Laufzeiten wird daraus ein dreistelliger Betrag.
Anders gesagt: Die Kombination rechnet sich, sie trägt aber selten allein eine Investitionsentscheidung. Wer bereits eine PV-Anlage hat, senkt die Betriebskosten deutlich. Wer eine PV-Anlage ausschließlich wegen der Klimaanlage plant, rechnet sich das Ergebnis schön. Ob sich zusätzlich ein Batteriespeicher lohnt, ist eine eigene Rechnung, weil der Kühlbetrieb ohnehin überwiegend tagsüber läuft.
Der eigentliche Hebel liegt im Winter
Der wirtschaftlich interessanteste Punkt wird am häufigsten übersehen. Ein reversibles Split-Gerät kühlt nicht nur, es arbeitet im Heizbetrieb technisch als Luft-Luft-Wärmepumpe.
Das hat zwei Folgen. Erstens lässt sich damit in der Übergangszeit ein Teil der Heizlast decken, häufig zu niedrigeren Kosten als über einen fossilen Kessel. Die Einsparung im Heizbetrieb übersteigt die Einsparung im Kühlbetrieb in vielen Fällen deutlich, weil die Laufzeiten länger sind. Warmwasser kann eine Luft-Luft-Wärmepumpe allerdings nicht bereitstellen. Bei sehr niedrigen Außentemperaturen sinkt zudem ihre Effizienz.
Zweitens die Förderfrage. Reine Kühlgeräte sind nicht förderfähig. Eine Förderung über die Bundesförderung für effiziente Gebäude kommt nur in Betracht, wenn die Anlage die bestehende Heizung vollständig ersetzt, im Wärmeerzeuger-Portal des BAFA gelistet ist und die technischen Mindestanforderungen erfüllt. Das ist eine Einzelfallprüfung, die ein Energieeffizienz-Experte vor dem Kauf vornehmen sollte. Fördersätze und förderfähige Höchstbeträge wurden 2026 mehrfach angepasst, kursierende Prozentangaben widersprechen sich entsprechend. Den verbindlichen Stand findest du bei der KfW. Wie sich Kühlung, Heizung und Solarstrom sinnvoll verzahnen lassen, haben wir im Beitrag zur Kombination von Wärmepumpe und Solaranlage behandelt.
Die Antwort auf die Ausgangsfrage
Ja, Klimatisierung setzt sich in Deutschland sichtbar stärker durch. Der Trend ist aber langsamer, als die Nachfragespitzen im Juli vermuten lassen. Er verläuft außerdem anders als in Südeuropa. Drei Punkte, die wir aus den Zahlen mitnehmen.
Der Zuwachs findet überwiegend bei mobilen Geräten statt, also dort, wo die Effizienz am schlechtesten ist. Wer dauerhaft kühlen will, fährt mit einer fest installierten Anlage im Betrieb günstiger.
Der Engpass ist nicht die Nachfrage, sondern die Installationskapazität und das Genehmigungsverfahren. Wer für die Saison 2027 plant, sollte das im Herbst oder Winter angehen, nicht im Juni.
Passiver Hitzeschutz kommt vor der Technik. Außenliegende Verschattung, konsequente Nachtlüftung und Dämmung reduzieren die Kühllast, bevor überhaupt ein Gerät angeschafft wird. Eine kleiner dimensionierte Anlage ist günstiger in Anschaffung und Betrieb.
Wie wir dabei vorgehen
Wir arbeiten herstellerneutral und schauen uns zuerst dein Gebäude an, nicht den Katalog. Kühllast, Dachfläche, bestehende Heiztechnik und die rechtliche Situation bestimmen, welche Lösung sinnvoll ist. Die technische Installation übernimmt unser Partner Celaris GmbH als zertifizierter Meisterbetrieb.
Wenn du wissen willst, was in deinem Fall zusammenpasst, melde dich bei uns. Wir schauen uns die Zahlen gemeinsam an und sagen dir auch, wenn sich etwas nicht rechnet.
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